Perfektionismus

Wir alle sind motiviert, im Leben weiterzukommen, in etwas besser zu werden, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Das Leben ist Veränderung und das Leben ist Weiterentwicklung. Es ist daher auch grundlegend gut, wenn wir uns hohe Ziele setzen und weiterkommen möchten. Die Spannung zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand treibt uns an. Aber was passiert, wenn diese Spannung als «persönliches Scheitern» wahrgenommen wird?
Perfektionismus ist der Drang, Dinge perfekt zu machen oder ideale Standards zu erreichen. Etwas perfekt zu machen ist nicht per se schlecht. Nach Perfektion zu streben ist normal und oft auch nützlich. Wenn die Form aber so ausgeprägt ist, dass sie dysfunktional wird, wird es für die Betroffenen herausfordernd.
Diese Menschen befinden sich in einem Hamsterrad und strampeln sich ab, ohne je genug zu sein. Sie haben ständig das Gefühl etwas grossartiges leisten zu müssen, damit sie geliebt und akzeptiert werden. Jede Handlung geschieht mit dem Hintergedanken – was denken wohl die anderen darüber.
Eine lange Reihe von psychischen Störungen hat perfektionistisches Denken als innere Wurzel: allem voran die Essstörungen. Aber auch hinter dem Burn-out, der Depressionen, den Suchterkrankungen und hinter dem Schönheitswahn steht diese Art zu Denken.

In der heutigen Leistungsgesellschaft ist der Perfektionismus geradezu verführerisch. Aber was passiert, wenn wir uns nur noch über unsere Leistung definieren. Was für Auswirkungen hat das auf unseren Selbstwert, auf unsere Selbstachtung und auf unsere Wertschätzung?

Ich lade Dich ein, Dich von Zeit zu Zeit wieder einmal zu hinterfragen und zu beobachten:

  • Warum mache ich diese Arbeit?
  • Was motiviert mich daran?
  • Ist das Gemachte eventuell bereits gut genug?

Wir dürfen wieder lernen Fehler zu machen. Eine gesunde Fehlerkultur ist eine Möglichkeit diesem Problem entgegenzutreten. Wir dürfen auch wieder lerne authentisch zu sein. Denn nur so sind wir auch menschlich.

Inspiriert von Raphael M. Bonelli